Banghraits Reise – Ein Loch im Bart

Tja so standen wir dort am Strand und starrten in die Ferne. Ein Nachtelf, groß und schlank, die spitzen Ohren ragten in den Himmel, die dunklen Augen glühten wie kleine Kohlen. Der Umhang auf seinem Rücken wehte im Wind. In der rechten Hand sein Kampfstab, dessen Metallbeschläge in der Sonne glitzerten.
Daneben ein Zwerg, klein und kompakt. Die Füße in den Plattenstiefeln leicht im Sand eingesunken, die Streitaxt umgeschnallt. Verschiedenste Waffen steckten im Gürtel, die linke Hand hielt einen stählernen Helm. Die kleinen Augen blitzten über den grauen Bart hinweg, der es dem Umhang des Elfen gleichtat und im Wind flatterte.
Ich schaute zu Eldurion: “Dieses Pack, warum haben sie uns nur hiergelassen?” “Das, mein Freund, weiß ich auch nicht, aber deine und meine Götter werden sich schon etwas dabei gedacht haben, dass uns unser Schicksal an diesen Ort geführt hat. Meinst du nicht auch?” “Also, was auch immer Khaz sich dabei einfallen lassen hat, dafür ist er mir eine Erklärung schuldig.” Bei diesen Worten reckte ich meine Faust in die Richtung, in der wir das Schiff zuletzt gesehen hatten. “Bangh, rumstehen sollten wir hier nicht. Es wird bestimmt bald dunkel, wir müssen uns eine Art Unterkunft suchen.” “Aye, auf gehts!”
Wir kundschafteten zunächst den Strand aus, doch fanden wir dort nichts Interessantes. Also schlugen wir uns in den Dschungel und suchten dort nach einer Höhle oder einer anderen sicheren Stelle, an der wir die Nacht verbringen konnten. Für mich sah jeder Baum gleich aus, ein Strauch glich dem anderen, ohne Eldurion hätte ich mich wahrscheinlich hemmungslos verloren. Alles war grün, grün, grün. Wie im grauligen Schlingendorntal, nur dass hier glücklicherweise keine Tiger versuchten uns zu verspeisen, keine Orks hinter den Bäumen vorsprangen, um uns zu töten. Obwohl das bestimmt ein Fest geworden wäre, unsere Wut an ihnen auszulassen…

Obwohl nichts passierte, beschlich mich langsam ein ungutes Gefühl und ich griff immer öfter prüfend nach meiner Axt. Auch Eldurion schien unruhig zu werden, ich bemerkte wie seine Blicke nervös hin und her zuckten. Im einen Moment spähte er in die Ferne, im nächsten durchbohrte er die Baumkrone über uns. “Aye, du merkst es auch, die Luft hier ist komisch.” “Ja, bleiben wir wachsam.” Ich nickte und nahm die Axt vom Rücken und hielt sie locker in meiner rechten Hand, den Helm setzte ich auf.
Doch auch nach mehreren Minuten des Marschierens geschah nichts, außer dass die Bäume langsam kleiner wurden und wir merklich bergauf gingen. Urplötzlich standen wir am Waldrand vor einem kleinen Gebirge. Nichts gegen Dun Morogh, doch es waren ein paar hübsche Hügelchen dabei. Und vor uns, wir hatten es nicht bemerkt, schlängelte sich ein kleiner Weg in die Hügel. Eldurion und ich sahen uns kurz an und beschlossen ohne Worte dem Weg zu folgen. Denn ein Weg hieß, dass hier Menschen oder andere Lebewesen verkehrten oder zumindest irgendwann mal verkehrt hatten. Wenige Schritte später nahm die Steigung immer mehr zu und wir gingen nun durch eine hohle Gasse, deren Wände mehrere Schritt in den Himmel ragten. Dämmrig war es auch noch, zum Glück haben sowohl Elfen als auch Zwerge damit keinerlei Probleme. Ich erinnerte mich daran, dass es hieß, Elfen könnten sogar Nachts sehen wie am Tage. Und die Sicht im Dunklen eines Zwerges war schon dadurch ausgeprägt, dass wir am liebsten unter Tage lebten. Während ich so meinen Gedanken nachging, klickte es auf einmal vor uns. Wie ein runtergefallener Kieselstein. Sofort drehte ich mich um, um zu schauen, was sich in unserem Rücken aufhielt. Eldurion sicherte nach vorne ab….
Es hatte den Anschein, als ob wir beide ein wenig zuviel geträumt hatten während des Gehens. Ich sah direkt in die Augen mehrerer grüner Orks, die mich angrinsten. Eldurion flüsterte hektisch: “Orks vor uns… Und Trolle…” “Aye, hinter uns auch. Mach dich bereit mein Freund!”

“Ihrr da Fremde, was wollt ihrr auf meinerrr Insel?” Eine krächzende Stimme erklang. Sie stammte von einem riesigen Troll, der nun in mein Blickfeld trat. Er überragte die zwischen ihm und mir stehenden Orks bestimmt um fast einen Schritt. “Deine Insel? Wer bist denn du?” Neugier war immer schon ein mich bestimmender Wesenszug. “Ich? Werrr seid ihrr?” “Wir sind Tim und Tom, die lustigen Zwillinge!” “Arrrr, ihrr wollt mich wohl auf den Arrrm nehmen? Ich bin Rattak, erster König der Trolle von Jumbarr Island, und hierrr gilt mein Gesetz!” “Ach ja?” “Ja, errgebt euch gleich oder sterrrbt soforrt!” Gemeine Augen starrten mich an und wenn ich nicht schon viele Gesellen seines Schlages erlebt hätte, hätte ich nicht so entspannt zurückgegrinst.
“Eldurion?”
“Ja?”
“Stärke?”
“ Sechs Orks, zwei Trolle. Bei dir?”
“ Acht Orks und der Obermotz.”
“Wenn du so kämpfst wie mit der Schlange, dann tun sie mir leid.”
Ich musste grinsen, packte die Axt und schrie: “Für Khaz Moooooodan!” und stürmte voran. Meine Axt schien wie zum Leben erweckt. Von selbst wirbelte sie durch die Orks, schon sah ich einen kopflos davonrennen, wie ein geschlachtetes Huhn. Der nächste griff mich mit einem unförmigen Säbel an. Ich parierte seinen Hieb mit dem Axtstiel, rammte ihm den Knauf am unteren Ende in den Magen und riss ihn hoch. Der Knauf knallte unter sein Kinn und mit einem leisen Stöhnen sank er zu Boden. Die Orks dieser Insel machten den gleichen Fehler, den sie schon auf Azeroth machten, sie griffen zu selten koordiniert an. Immer einer nach dem anderen. Und so erledigte ich sie ebenfalls einen nach dem anderen.

Den Geräuschen aus meinem Rücken nach verfuhr Eldurion mit seinen Gegnern genau so. Während ich langsam in den Blutrausch geriet, blitzte es in meinem Augenwinkel auf. Grad rechtzeitig ließ ich mich zu Boden fallen, als ein Feuerball mit Urgewalt über mich drüber brauste. Es roch leicht angebrannt… “Du Sohn eines Ogers, das wirst du büßen!”

In meinem Bart war ein Loch! Ein Loch im Barte Banghrait Zweigesichts, stolzer Wächter des Thans der Sturmgreifen, im Geiste immer noch eine wahre Eisenfaust… Was für ein Frevel! Doch bevor ich mich von diesem Schock erholen konnte, brabbelte dieser komische Trollkönig unverständliche Worte und ein weiterer Ball aus reinem Feuer raste auf mich zu. Ich warf mich zur Seite und hieb mit der flachen Seite meiner Axt danach. Der Feuerball wurde abgelenkt und schlug im Fels neben mir ein. Sofort sprang ich auf den Troll zu und hieb mit der Axt nach ihm. Er wich ihr geschmeidig aus und zog zwei Dolche aus seinem Gürtel, deren Enden verdächtig grün schimmerten…

Veröffentlicht in: on Juni 13, 2007 at 10:58 Kommentar schreiben

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